Shared Hosting Anbieter in der Praxis

Mit Shared Hosting gibt es wohl genauso viele Meinungen wie es Hoster gibt. Darum auch hier: Meine persönlichen Erfahrungen mit Shared Hostern. Es handelt sich hier nicht wie sonst andere dutzende Listen, die im Internet kursieren, mit kopierten Leistungsbeschreibungen, sondern von mir persönlich gemachten Erfahrungen – meistens mit auf den jeweiligen Hostern laufenden WordPress-Seiten.

Hinweis: Es sind rein meine eigenen Erfahrungswerte durch Eigene und Kundenprojekte. So sind folgende Hinweise bestimmt nicht objektiv, aber eben subjektiv Dinge, die mir aufgefallen sind. Eine Auflistung der Leistung lasse ich dabei bewusst weg, da jeder Anbieter eine andere Stratagie über die Auslastung seiner Server fährt. Je nachdem wie der Traffic der anderen Seiten ist, die auf dem selben Server wie das eigene Angebot liegen, ist dies auch nicht in einer Einzelmeinung wie hier vergleichbar.

Werde diesen Beitrag ständig aktualisieren, in Klammern steht pro Hoster darum die jeweils letzte von mir getätigte Akualisierung.

1&1

(21.03.19) Meiner Meinung nach zwiespältig: Hosting-Angebot ganz ok und zugeschnitten auf Nutzer mit wenig Erfahrung. Aber sollten Probleme nicht lösbar sein ist die Hotline oftmals nur sehr schwer erreichbar.

Gut:

  • Backend-Oberfläche auch für Anfänger benutzbar. Seit sich 1&1 zu ionos umgelabelt hat ist das neues Backend mit wesentlich weniger Upselling-Angebote
  • aktuelle PHP-Versionen

Schlecht:

  • Nur wenig MySQL-Datenbanken.
  • Ewige Warteschlange bei der Hotline.
  • Kundenbeispiel: Ein Kunde klagt über langsame Webseite, obwohl im Backend von ionos stand: ‚Perfomance der letzten 7Tage –
    Großartig, Ihre Websites reagieren mit hoher Geschwindigkeit auf alle Anfragen Ihrer Besucher.‘ Als ich feststellte, das keine Apache-Module möglich waren (mod_expires, mod_deflate usw.) wusste der Hotliner erst nicht was überhaupt Apache-Module sind, als er dann einen Kollegen zu Rat zog stellte sich heraus, dass der Server komplett falsch konfiguriert war.

Infos:

Bei 1&1 lässt sich SSL nicht erzwingen, was aber wegen DSGVO nötig ist. Beheben lässt sich es durch folgenden Eintrag in der .htaccess

RewriteCond %{HTTPS} off
RewriteRule (.*) https://%{HTTP_HOST}%{REQUEST_URI} [R=301,L]

Febas

(02.09.18) Bin selbst dort Kunde. Bietet nur eine einfache Administrations-Oberfläche (LiveConfig), die dadurch jedoch nicht unnötig überladen ist. Es wird nicht (wie bei vielen anderen Anbietern) versucht Zusatzgeschäfte zu verkaufen. Betreiben ihre Server nach meinen Erfahrungen in den Rechenzentren von Hetzner, einem Hoster mit einer sehr guten Reputation.

Gut:

  • sehr günstig (z.B. Hosting inklusive 10 Domains für unter 10 Euro)
  • Hosting läuft auf SSD-Festplatten, daher sehr schneller Dateizugriff
  • unterstützt LetsEncrypt-Zertifikate
  • lange php execution time und viel php ram, dadurch laufen auch umfangreiche Scripte (z.B. Backups für größere WordPress-Seiten). Im Business-Tarif für 9.99€ z.B. mit 1024 MB memory_limit und 900 Sekunden max_execution_time, habe solch klasse Werte sonst noch bei keinem anderen Hoster gesehen
  • reagieren schnell auf Anfragen, auch am Wochenende
  • keine Kündigungsfristen

Schlecht:

  • Sehr wenig Hilfeseiten, für absolute Anfänger weniger geeignet
  • Kein telefonischer Support, nur per Mail oder Chat (wobei wie oben beschrieben sie jederzeit sehr schnell auf Anfragen reagieren).

Uberspace

(12.04.18) Ein ganz anderes Konzept: Keine festen Preise, sondern man zahlt was einem das Angebot wert ist (mindestens 1€, die Betreiber empfehlen 5€). Etwas für Profis, da ohne grafische Oberfläche, dafür hat man so ziemlich alle Freiheiten welche in einer Shared-Hosting-Umgebung überhaupt denkbar sind.

Gut:

  • Unterstützt LetsEncrypt-Zertifikate
  • man arbeitet direkt per SSH mit der Konsole auf dem Server, damit sind Möglichkeiten wie auf einem VServer und nicht wie bei einem Shared Hosting-Anbieter realisierbar
  • kommunizieren öffentlich was wie und warum sie was machen (auch Downtimes)
  • vier Wochen testen ohne irgendwelche Verträge, einfach nur einen Benutzernamen eingeben und fertig

Schlecht:

  • Nur für Profis die wissen wie sie per Kommandozeile den Server einrichten

All-Inkl

(06.03.19) Sehr beliebter Hoster, der sich durch seinen Preis auszeichnet, aber auch technisch top ist. Bin selbst dort Kunde.

Gut:

  • Sehr günstig, z.B. 9.95€ inkl. 10 Domains
  • Nur max. 50 Kunden pro Server, dadurch meistens sehr schnelle Server
  • Klasse Hotline: Selbst Freitag abends war sofort ohne Wartezeit ein Mitarbeiter erreichbar, der sich in eine WordPress-Installation selbst eingeloggt und den Fehler gefunden hat obwohl es gar keine Schuld von All-Inkl war
  • Freie Inklusiv-Domains neben .de auch z.B. .com, .org. .info .ch ohne Aufpreis möglich, beim Premium-Tarif für 9.95€ sind z.B. 10 Domains inklusive
  • Setzen Neuheiten schnell um: LetsEncrypt, neue PHP-Versionen – All-Inkl setzt Änderungen sehr schnell um während bei anderen (großen) Hostern z.B. neue PHP-Versionen Monate benötigen (und LetsEncrypt sogar ignoriert wird)
  • Hat in meinen Augen die beste Admin-Oberfläche: Man findet schnell was man will, alles ist intuitiv und einfach, es wollen keine Zusatzleistungen verkauft werden
  • keine Mindestvertragslaufzeit, man kann monatlich kündigen, wenn man eine längere Laufzeit wählt wird es dafür billiger
  • die ertsten 3 Monate zum testen sind kostenlos ohne Verpflichtungen

Schlecht:

  • Backups vom Webspace und den Datenbanken werden in nicht genau definierten Zeitintervallen durchgeführt, darum ist ein eigenes regelmäßiges Backup unbedingt notwendig.
  • Im kleinsten Vertrag (Privat für 4.95€) kein LetsEncrypt enthalten, erst ab PrivatPlus für 7.95€
  • keine php.ini änderbar

Tipps:

  • Da Backups nur unregelmäßig durchgeführt werden gibt All-Inkl Anleitungen wie man dies selbst bewerkstelligen kann:
    https://all-inkl.com/wichtig/anleitungen/datensicherung/mysql/php-skript-zum-sichern-und-wiederherstellen-einer-datenbank/dump-erstellen_83.html
    https://all-inkl.com/wichtig/anleitungen/datensicherung/webspace/php-skript-zum-sichern-der-ftp-daten/einrichten_97.html

1blu

(12.03.19) Dort selbst Kunde (ein Vertrag zum ’spielen‘, 12 Domains inkl. 80GB Space für 2.29€)

Gut:

  • Oft sehr billige Sonderangebote (Anzeigen in Comuterzeitschriften oder einfach danach googeln)
  • Backups der letzten 14 Tage werden automatisch erstellt und sind im eigenen Webspace per FTP zugänglich

Schlecht

  • Möglichkeiten im Backend mangelhaft, für Anfänger ungeeignet (die in meinen Augen die Zielgruppe dieses Hosters sind)
  • z.B. um die PHP-Version einzustellen, muss von 1blu eine php-Datei heruntergeladen, diese mit einem FTP-Programm auf die Webseite wieder hochgeladen und dann im Browser aufgerufen werden. Und dies ist nicht nur theoretisch nötig, da z.B. im März 2019 per default PHP 7.0 aktiv ist.

Goneo

Fuhr vor Jahren eine große Werbekampagne, ist aber trotzdem nicht sehr bekannt. Hat nicht gerade den besten Ruf. Habe mit einem Kunden bei Goneo aber keine schlechten Erfahrungen gemacht

Gut:

  • Billig – z.B. Domain mit 20GB-Webspace und SSL für 2.99€
  • Hotline war telefonisch ohne Wartezeit erreichbar

Schlecht:

  • Backups der Seiten werden durch Geneo zwar durchgeführt, eine Wiederherstellung kostet jedoch 50 Euro

Hosteurope

(09.09.18) War dort selbst seit Jahren Kunde. Nachdem sie aber LetsEncrypt nicht anbieten und lieber Zertifikate ihrer Mutterfirma GoDaddy verkaufen wollen, bin ich dort weg.

Wurden von GoDaddy übernommen, einem der größten Hosting-Anbieter der Welt, welcher aber unter Profis nicht gerade über einen guten Ruf verfügt.

Gut:

  • Sehr empfehlenswerte Hotline: Selbst spät abends freundliche und kompetente Mitarbeiter am Telefon ohne viel Wartezeit.
  • Backups können selbst ohne Zusatzkosten wieder hergestellt werden.
  • Vorbildliches Desaster Recovery: Ein Webspace war durch einen Wurm verseucht – Host Europe kappt dann den Webspace, man erhält einen FTP-Zugang und eine Liste der befallenen Dateien. Nach dem säubern meldet man sich bei Host Europe, die überprüfen nochmal alles und schalten dann wieder alles online.

Schlecht:

  • pro Vertrag nur eine Domain mit SSL, sonst aufpreispflichtig, kein LetsEncrypt
  • Irreführende Angebote, und sowas geht mir wirklich auf den Keks: Auf der Webseite groß mit ‚SSL dauerhaft inklusive‘ und ‚Datenbanken auf SSD‘ werben, dann aber bei den Vertragsdetails ist nur noch von SSL für eine Domain und max. 2 GB auf SSD die Rede. Ja HE, rechtlich ist eure Aussage natürlich ok, aber ihr suggeriert damit Leistungen die ihr in dem Umfang gar nicht erbringt.

Infos:

Für Drupal 8: Paket Medium für 6.99 geht nicht, da kein InnoDB, es ist Premium für 9.99 notwendig, dann ist aber auch SSH für Drush dabei.

Domainfactory

(21.03.19) Waren einst sehr gut und beliebt als sie selbstständig waren, aber ich rate mittlerweile davon ab. Domainfactory gehört mittlerweile zu GoDaddy, einem Hoster mit einem keinen allzu guten Ruf. Der Name ist in meinen Augen nur noch eine Hülle: Besitzer ist eine amerikanische Firma (GoDaddy), gehostet wird in Frankreich und die Server werden von ca. 50 freiberuflichen (!) Mitarbeitern aus der Ukraine administriert.

Gut:

  • Backend mit vielen Möglichkeiten.

Schlecht:

  • Als Kundendaten im größeren Umfang gehackt wurden kommunizierte Domainfactory das erst gar nicht, dann nach und nach sehr zögerlich. Ihr eigenes Forum (in welchem sich Nutzer beschwerten) schalteten sie dann einfach ab und wiegelten alles ab. Dabei wurde bekannt, das Domainfactory seine Server aus der Ukraine betreuen lässt (ein nicht-EU-Staat), ohne dies seinen Kunden mitgeteilt zu haben
  • GZIP-Komprimierung standardmäßig ausgeschaltet (muss per Hand in der .htaccess aktiviert werden, scheinbar will Domainfactory so die Serverlast minimieren).
  • Am 21.03.2019 immer noch keine PHP-Version 7.3
  • Für WordPress müssen die Rechte am Dateiverzeichnis per Hand geändert werden.

Erfahrungen:

  • Bei WordPress-Installationen hat der Uploads-Ordner im wp-content Verzeichnis die falschen Rechte, was das Ergebnis hat dass in WordPress keine Bilder anzeigt. Diese Rechte für das Verzeichnis müssen rekursiv angepasst werden.
  • Webseiten sind per default nicht mit gzip komprimiert, was schlechte Performance (und schlechteres Google-Ranking) zur folge hat. Ein anpassen der .htaccess ist darum nötig (entweder per Hand oder durch ein Plugin).

Infos:

Nicht nur ich bin der Ansicht, das die Marke Domainfactory sterben wird, gut wird das ganze hier bei Heise zusammengefasst. Darum rate ich von Neuverträgen dort ab.

United Domains

(17.01.18) Eigentlich ein Domain-Registrator, der aber auch Shared Hosting anbietet. Persönlich habe ich einen Kundenauftrag bei diesem Hoster nicht angenommen, da selbst das Backup einer kleinen WordPress-Seite wegen Laufzeitfehlern nicht möglich war.

Gut: In meinen Augen nichts
Schlecht:

  • Leistungsschwacher Server: z.B. beim aufspielen von einem Deploy-System auf dem Server kam es ständig zum Timeout, was sonst auf keinem Hoster vorkam
  • Kein komprimieren, da die Apache-Module mod_gzip, mod_expires und mod_deflate nicht zur Verfügung stehen (draus resultiert z.B. ein sehr schlechter Google-Speedindex-Wert, führt zur Abstrafung beim Google-Ranking)
  • kein „ftp_nb_fput“, z.B. kein Backup auf einen anderen Server möglich

Meine Meinung: Totaler Reinfall. So etwas leistungssschwaches habe ich noch nie erlebt. Kunden die auf United Domains hosten bzw. darauf bestehen lehne ich seit der Erfahrung ohne wenn und aber ab.