elementary OS und Flatpak (Kommentar)

Auslöser dieses Kommentars ist eine Kampagne auf Indiegogo von den elementary OS Entwicklern für einen flatpak Store:

Gefiel mir der Pantheon-Desktop von elementary OS seit jeher, wurde ich mit dem System an sich anfangs nicht so richtig warm. Dies änderte sich mit elementary OS 5.1, es avancierte seitdem zu meinem bevorzugten System. Grund war die sehr begrenzte Software-Auswahl vor 5.1 im eigenen Software Store. Da nur eigens entwickelte Programme dort aufgenommen wurden, fehlten Standards wie Firefox, Libreoffice oder ähnliches.

Seit elementary OS 5.1 wird nun das Flatpak-Format direkt unterstützt. Programme auf flathub.org wurden in das eigene Software-Center integriert, wodurch nun viele Standardprogramme direkt installierbar sind. Auch nicht so versierten Linux-Anwender können dadurch das System dadurch verwenden.

Nun zu den einzelnen Punkten, welche sich durch eine breitere Verfügung von flatpak ändern:

Geschwindigkeit

Bei flatpak handelt es sich um ein Containerformat, wie es auch Snap und AppImage darstellen. Diese Container beinhalten nicht nur das Programm an sich, sondern auch die benötigten Abhängigkeiten (ähnlich den dll-Dateien unter Windows). Da jedes Programm aber seine eigene Abhängigkeiten nutzt, auch wenn diese schon vom System zur Verfügung stehen, wird der ganze Computer zwangsläufig langsamer. Viele Files werden so pro Programm zusätzlich geladen, was sowohl die Ladezeit als auch den Speicherverbrauch erhöht.

Gerade elementary OS, dessen eigene Programme durch die Programmierung mit Vala sich durch kleine Dateigrößen auszeichnet, bildet dadurch ein sehr schnelles Gesamtsystem. In meinen Augen unter dem Aspekt der Geschwindigkeit und flüssiger Bedienung des Computers ist dies eindeutig in Rückschritt in die falsche Richtung. Bleibt zu hoffen, das eigene Programme des Systems nicht als Flatpak genutzt werden.

Aktualität

Elementary OS basiert auf Ubuntu LTS. Da LTS-Versionen auf lange Unterstützung ausgelegt sind, sind die darin enthaltenen Systemkomponenten im Laufe der Zeit auch hoffnungslos veraltet. Allgemein gelten LTS-Versionen als sicher, dies ist meiner Meinung nach jedoch ein Trugschluß. Wenn man sich die Bugtracker ansieht, sammeln sich bei LTS-Versionen im Laufe der Zeit immer mehr Fehler an. Vorteil einer LTS Version ist lediglich für Administratoren, da sie damit ein lang unterstütztes System haben.

Auch benötigt die Anpassung von Ubuntu auf elmentary OS seine Zeit: So erschien Ubuntu 18.04 LTS im April 2018, die darauf aufbauende elmentary OS Version 5.0 jedoch erst im Oktober 2018.

Die Entwickler von elementary OS betonen deshalb, das flatpak das System sicherer macht. Da Programme ihre eigenen (aktuellen) Abhängigkeiten mitbringen, sind sie nicht mehr auf die (varalteten) Systemdateien angewiesen. Dies ist aber finde ich ein Eingeständnis des eigenen Problems.

Andererseits wird ein Problem daraus, wenn die Softwareentwickler sich nicht ständig um die Aktualisierung der Abhängigkeiten kümmert und jedesmal ein Update veröffentlicht, selbst wenn das eigentlich Programm dasselbe bleibt.

Monetarisierung

Mit ein Grund für flatpak ist auch die Bezahlfunktion für Software, welche bei elementary OS schon länger (wenn auch in anderer Form) gegeben ist. Flatpak als Format hat mittlerweile eine Bezahlmöglichkeit integriert. Inwieweit Linux und bezahlte Software funktioniert, habe ich persönlich meine Zweifel: Auch Ubuntu wollte diesen Weg gehen, hat die Bezahl-Möglichkeit im Ubuntu-Software-Center wegen mangelnden Erfolg schon 2015 wieder aufgegeben. Aber wünschenswert fände ich es, wenn unter Linux eine kommerzielle Vertriebsform sich etablieren würde.

Persönliche Meinung

Selbst stehe ich Containerformaten äusserst kritisch gegenüber. Dabei halte ich flatpak für eine eindeutig bessere und modernere Wahl als das prioritäre Snap-Format bei Ubuntu. Insofern finde ich es gut, das elementary OS als Ubuntu-Fork nicht wie naheliegend auf Snap, sondern eben auf flatpak setzt.

Auch wenn vieles von mir geschriebenes negativ klingt: Ich bin der Entscheidung gar nicht abgeneigt. Im Gegenteil, steht so mit einem Schlag viele (Standard-) Software zur Verfügung. Persönlich würde ich es begrüßen, wenn nicht so nachgefragte Software per flatpak integriert werden, Systemprogramme oder oft genutzte Programme jedoch weiterhin im deb-Format. Ein Unding finde ich z.B. den Chrome-Browser bei Ubuntu, dieser wird nur noch als Snap ausgeliefert, sowas sollte bei elementary hoffentlich nicht passieren.

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