Mit Nextcloud zum Milliarden Unternehmen à la Snowflake

Um es gleich zu sagen: Nein, Nextcloud geht nicht an die Börse. Aber trotzdem ist der Titel kein Click-Bait, denn es geht mir um den Millarden-Börsengang der Firma Snowflake. Warum ich das ganze durchaus mit Nextcloud vergleiche? Dazu gleich mehr.

Der Snowflake-Börsen-IPO

Wie man der Presse überall die Tage entnehmen kann, handelt es sich bei Snowflake um ein Cloud-Unternehmen, das 2012 gegründet wurde und beim Börsengang eine Bewertung von 68 Milliarden Doller erzielte.

Was mich an Snowflake zweifeln lässt

  • Ein Mit-Investor von Snowflake ist der japanische Softbank-Konzern, der mittlerweile als ‚Wal‘ bezeichnet wird. Softbank zieht Börsenkurse von Tech-Unternehmen gezielt durch Derivate-Handel in die Höhe (siehe manager-magazin oder msn). Das Risiko, das viele Tech-Werte abstürzen, ist dadurch enorm. Die Neue Züricher Zeitung (sehr empfehlenswerter Artikel) nennt es legale Kursmanipulation durch Feedback-Schleifen. Erst werden durch riesige Calls die Kurse in die Höhe getrieben, um dann möglicherweise die Aktienkurse gezielt crashen zu lassen. Durch Put-Optionen wird dann im Crash zusätzlich Kasse gemacht.
  • Wenn etwas noch immer hip ist, dann der Begriff Cloudcomputing. Snowflake wird in fast allen Berichten als Cloud-Anbieter (WirtschaftsWoche), Cloud-Software-Spezialist (Der Aktionär), Cloud-Software-Firma (gevestor) usw. bezeichnet. Also irgendetwas mit Cloud.
    Interessant dabei: Snowflake-Mitgründer Benoit Dageville erwähnt in einem Interview mit der FAZ, das sie selbst gar keine Cloud anbieten, sondern ‚eine Ebene einziehen‘ und die Clouds anderer Anbieter nutzen.
    Auf der Snowflake-Webseite klingt das natürlich toller: Sie bieten eine einzigartige Multi-Cluster-basierte Shared-Data-Architektur als zentrale integrierte Plattform … As-a-Service-Lösung. Hallo? Geht es noch mit ein paar Buzzwords weniger?
    In meinen Augen ist das Geschäftsmodell von Snowflake ‚wir werfen alle verfügbaren Daten in irgendeine Cloud und lassen Big-Data-Software drüber laufen‘.
  • Wie bei Tech-Titeln üblich schreibt Snowflake hohe Verluste (siehe finanzen.ch). Im Geschäftsjahr 2018/19 bei 96.7 US-Dollar Umsatz 178 Millionen Dollar Verluste, ein Jahr später bei 264,7 Millionen US-Dollar Umsatz 348,5 Millionen US-Dollar Verluste.
    Soweit also alles wie üblich in der Tech-Blase, da muss man schließlich erst wachsen und später kommen die Gewinne. Ähm ja, das wurde bei ueber und WeWork auch immer gesagt.
  • Alexander Graf bemerkte im Kassenzone-Podcast 303, im Bezug auf Snowflake wäre ‚viel dummes Geld unterwegs‘

Mit Nextcloud zum Milliardär

Ok, aber was hat das alles mit Nextcloud zu tun? Nun, was die Nextcloud nachweislich eindeutig bietet ist ‚eine einzigartige Multi-Cluster-basierte Shared-Data-Architektur als zentrale integrierte Plattform‘. Und da kam mir eine Idee …

1. – Gründen einer ‚Cloud‘-Firma

Dies ist das Herzstück des Geschäftsmodells. Nennen wir die Firma z.B. IBC-Solutions (ausgeschrieben Icebreaker Cloud Solutions). Selber hosten verursacht nur Kosten, also nutzen wir einen vorhandenen Anbieter. Hetzner bietet z.B. schlüsselfertig eine Nextcloud-Installation mit 1 TB Speicher für 9.16€ monatlich. Ok, die IBC-Solutions ist nun eigentlich ein langweiliger Reseller, aber das muss man ja nicht so kommunizieren.

2. – Nextcloud zu einem Spottpreis anbieten

Wir befinden uns ja in der Wachstumsphase, also spielen Verluste keine Rolle. Wir bieten daher Endkunden die obige Nextcloud statt für 9.16€ für 2.99€ an. 1 TB Nextcloud für unter drei Euro, da finden sich bestimmt ein paar Kunden. Finanziert wird das ganze natürlich durch Investoren.
Das b2c-Geschäft (business to consumer) steht also und wird wachsen. Werbung, Affliliates, sechs kostenlose Probemonate sorgen dafür. Bei den Ausgaben dabei am Anfang nicht sparen!

3. – Reseller-Programm

Wir bieten für Reseller noch bessere Konditionen an, sagen wir statt 1.49€ statt 2.99€. Verluste spielen ja keine Rolle, Reseller sorgen für viel größeres Wachstum. Außerdem haben wir nun auch B2B (business to business) Kunden. Eine Cloud-Firma mit b2b und b2c-Kunden, das lieben Investoren.

4. – Wachstumsphase, Umsatz erhöhen

Wir lassen das System nun etwas laufen. Machen natürlich viel Werbung, Medienarbeit, Sponsoring usw.. Wir bieten schließlich eine rein deutsche Cloud-Lösung für 2.99€ an, ohne Cloud-Act oder sonstige Spionagemöglichkeiten.

5. – Rentabiliät erhöhen, proven concept

Umsatz und Verluste verlaufen nun parallel, das mögen Investoren nicht. Darum sorgen wir nun für etwas weniger Verluste. Zum Beispiel nur noch 3 statt 6 Monate kostenlos, 3.49€ statt 2.99€, etwas weniger Werbung. Unser Hoster gibt uns bei dem Umsatz was wir ihm bringen bestimmt auch an die 20% Nachlass. So schaffen wir die Verluste um 50% zu reduzieren. Investoren lieben das. Wir machen zwar immer noch Verluste, aber alle anderen Kurven zeigen nach oben!

6. – IPO, wir gehen an die Börse

Die Zahlen stimmen, wir suchen uns noch ein paar schlagkräftige Referenzen, ab an die Börse mit der IBC-Solution. Wir erhöhen kurz davor nochmal den Druck mit vielen Storys in Fachzeitschriften, Cloud für jedermann, einmaliges deutsches Konzept usw. usf., der Börsengang sollte gelingen. 30% der Aktien haben unsere Investoren, 51% behalten wir, 19% der Aktien gehen in den freien Markt. Mit 19% handelbarer Aktien können wir auch gut hebeln.

7. – steigende Börsenkurse

Durch ‚Freunde‘, die Aktien sowie Put-Optionsscheine kaufen, sorgen wir für steigende Kursgewinne. Wir verkaufen nach und nach einiges unserer eigenen 51% der Aktien in den freien Handel.

8. – erhöhen der Rentabilität

Die Verluste sind immer noch zu hoch. Deshalb fast keine Werbung mehr, keine Probemonate, erhöhen die Preise von 2.99€ auf 5.99€. Veröffentlichen in kleinen unbedeutenden Zeitschriften diese Änderung, damit unsere ‚Freunde‘ ohne befürchtetes Insiderwissen aufgrund der Meldung ihre Aktien und Optionsscheine verkaufen. Stattdessen kaufen sie nun Call-Optionen und wetten auf sinkende Kurse. Wir dagegen kaufen von den realisierten Aktien-Gewinnen lieber Immobilien im Raketen-Viertel.

9. – Am Markt festhalten

Der Aktienkurs sinkt. Schwieriges Umfeld, erstarken der ausländischen Konkurrenz, Restrukturierungen, wirtschaftliches Umfeld. Der Aktien-Kurs sinkt beständig.

10. – Penny-Stock

Als die Call-Optionen unserer ‚Freunde‘ auslaufen bricht Börsenkurs bricht dramatisch ein. Da viele Anleger nun auch schlagartig verkaufen, kommt es zum Crash.
Da wir uns keine Verluste mehr leisten können, erhöhen wir alle Preise auf 12.99€. Die Aktie krebst noch ein einige Wochen für ein paar Cent rum, bevor es schließlich zum unausweichlichen kommt:

11. – Insolvenz

Unerwartete externe Faktoren haben dazu geführt, dass sich der Markt radikal geändert hat und unser Produkt in der Form leider nicht mehr weiter bestehen kann. Wir bedanken uns bei allen Kunden für ihr Vertrauen.

(Disclaimer: Dieser Beitrag ist natürlich Satire und hat mit der Realität nichts zu tun)

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